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TEIL 1 – Mikroplastik: Alles, was man wissen sollte

06. März 2019 · Kommentieren
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Mikroplastik: Alles, was man wissen sollte

1. Was ist Mikroplastik?

Für den Begriff Mikroplastik gibt es verschiedene Definitionen. Allgemein versteht man unter Mikroplastik kleine Kunststoffpartikel oder -fasern, die meist eine Größe zwischen 0,001 mm und maximal 5 mm haben. Diese Partikel oder Fasern sind nicht löslich und werden in der Umwelt nur sehr langsam abgebaut.

Unterteilen kann man dieses Mikroplastik dann noch einmal in „primäres“ und „sekundäres“ Mikroplastik. Zu „primärem Mikroplastik“ zählen absichtlich hergestellte, kleine Kunststoffteilchen unter 5 mm, wie sie z. B. in einem kosmetischen Peeling verwendet werden, aber auch solche kleinen Kunststoffteilchen, die erst bei der Produktnutzung entstehen, z. B. durch Abrieb von Reifen oder synthetische Fasern beim Wäschewaschen.

„Sekundäres Mikroplastik“ hingegen bezieht sich auf Kunststoffteilchen, die erst im Laufe der Zeit durch Verwitterung oder durch die Fragmentierung von Plastikmüll in der Umwelt (Littering) entstehen. Größere Plastikteile, z. B. PET-Flaschen, werden als Makroplastik bezeichnet.

Was die Mikroplastik-Definitionen von vielen Organisationen (wie dem Umweltbundesamt, Blauen Engel, EU Eco Label und UNEP) gemeinsam haben: Es geht darin um Partikel, also feste Kunststoffteilchen, die nicht wasserlöslich und kleiner als 5 mm sind. Nicht berücksichtigt sind damit zurzeit i. d. R. wasserlösliche, gel- und wachsartige sowie flüssige Polymere (Kunststoffe). Das Umweltbundesamt begründet dies auf seiner Webseite so: „Bei wasserlöslichen synthetischen Polymeren kann für jedes Polymer individuell die klassische Bewertung nach Chemikalienrecht erfolgen.“ Und: „Weiterhin sind hier physikalische Schäden des Magen-Darm-Traktes sowie die Verdrängung von Nahrung nicht zu befürchten, da hier keine Feststoffe vorliegen.“

Einige Umweltschutzorganisationen fassen den Begriff Mikroplastik jedoch weiter und sprechen sich gegen den Einsatz aller synthetischen Polymere (feste und flüssige) aus. Der BUND schreibt: „Die Kosmetikindustrie verwendet nicht nur partikuläres Mikroplastik, sondern auch andere synthetische Kunststoffe – diese können in Wasser quellbar und zum Teil auch löslich sein. Da Abbauwege und Umweltauswirkungen von flüssigen Kunststoffen ungeklärt sind und ein nachträgliches Entfernen aus der Umwelt nicht möglich ist, muss gemäß dem Vorsorgeprinzip der Eintrag verhindert werden.“

Greenpeace zählt auch Silikone zu Mikroplastik, da es sich dabei um synthetische Kunststoffe handelt.

Eine allgemeingültige, rechtlich bindende Definition zu Mikroplastik liegt also bisher nicht vor. Das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik merkt in einer Studie aus Juni 2018 zudem an, dass es bisher auch keine Definition gibt, die lösungsorientiert auf die Umweltaspekte der Kunststoffe eingeht und hiernach relevante Polymerarten eingrenzt sowie Ober- und Untergrenzen festlegt.

2. Welche Rolle spielt es, ob ein Kunststoffpartikel flüssig (gelöst) oder in fester Form vorliegt?

Feste Kunststoffpartikel unterscheiden sich von flüssigen Kunststoffen sowohl in Größe und Form als auch in ihren physikalisch-chemischen Eigenschaften. Außerdem unterscheiden sie sich darin, inwieweit deren Auswirkungen auf die Umwelt und Gesundheit nachweisbar sind. Eine Verallgemeinerung, die beide Bereiche „in einen Topf wirft“, ist somit nicht gerechtfertigt.

Feste Partikel wurden in der Vergangenheit tatsächlich in zahlreichen kosmetischen Mitteln eingesetzt. Mittlerweile sind aufgrund des freiwilligen Verzichts der Kosmetikindustrie auf Plastikpartikel in Peeling-Produkten, deren Einsatzmengen um 97 % gesunken. So wurden sie z. B. in Produkten zur Körper- oder Gesichtsreinigung eingesetzt, wenn das Produkt einen speziellen Peeling-Effekt aufweisen sollte (Gesichts-Peelings, Zahncremes, etc.). Bei CD Körperpflege kamen solche festen Partikel übrigens nie zum Einsatz. Mikrokunststoffpartikel aus kosmetischen Mitteln, die ins Abwasser gelangen, werden in Kläranlagen nicht immer ausgefiltert. Nur Kläranlagen mit sogenannter Schlussfiltration (Tuchfilter) können diese Partikel nahezu rückstandslos entfernen. Mikropartikel sind zudem potenzielle Magnete für andere chemische Schadstoffe, die sich im Wasser befinden. Einzelne Mikropartikel können also wie Schwämme wirken, die weitere Verunreinigungen anziehen.

Laut Bundesregierung werden in Deutschland weit mehr als 90 % des Mikroplastiks im Abwasser durch Kläranlagen erfasst. Große Plastikgegenstände ebenso. In Deutschland wird der Anteil von zerfallenem Plastikmüll jedoch nicht als Hauptquelle für Mikroplastik gesehen.

In der Kosmetik finden sich neben festen auch flüssige, lösliche Kunststoffe wie z. B. Acrylsäure-Copolymer, welches als Filmbildner u. a. in Duschgelen eingesetzt wird. Laut Umweltbundesamt ist für jeden wasserlöslichen Kunststoff, anders als bei festen Partikeln, eine eigene Gefährdungs-beurteilung möglich (siehe auch Frage 1: „Was ist Mikroplastik?“). Für flüssiges Mikroplastik gibt es zurzeit weder eine gültige abschließende Definition oder Eingrenzung des Begriffs, noch gibt es wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse, dass diese Stoffart zur Belastung der Meere oder des Menschen beiträgt.

Noch im Januar 2017 hat selbst das Magazin ÖKO-TEST flüssiges Mikroplastik in sogenannten abwaschbaren „Rinse-off“- Produkten, wie z. B. Seifen und Duschgelen, nicht abgewertet. Ungefähr seit Februar 2017 haben nun jedoch viele Umweltorganisationen ihre Meinung bezüglich flüssigem Mikroplastik zumindest in abwaschbaren Produkten geändert, ohne dass es dafür neue Erkenntnisse gibt, und werten diese Stoffe plötzlich ab – aus prophylaktischen Gründen: Solange die Sachlage nicht abschließend geklärt ist, sollten diese Stoffe vorsorglich nicht mehr eingesetzt werden. Und: Auch die Naturkosmetik setzt diese Stoffe nicht ein.

Seit Ende 2018 wertet ÖKO-TEST nun auch flüssiges Mikroplastik in Produkten ab, die auf der Haut verbleiben („Leave-on-Produkte“). Dazu zählen etwa Cremes und Lotionen.
Die Mikroplastikdiskussion wurde durch die festen Kunststoffpartikel in Peeling-Produkten angestoßen. Nicht etwa, weil diese die mengenmäßigen Hauptverursacher sind, sondern vermutlich, weil sie von jedem verwendet werden und somit greifbar und emotional im Bewusstsein der Menschen sind.

3. Wie viel Mikroplastik befindet sich in der Umwelt und welche Risiken gehen davon aus?

Kunststoffpellets und Fasern wurden bereits vor fast 50 Jahren im Wasser, in verendeten Seevögeln sowie Fischen gefunden und im Laufe der Zeit dann auch als Teilproblematik von Kunststoffabfällen berücksichtigt. Seit dem Jahrtausendwechsel haben laut dem Fraunhofer-Institut Untersuchungen und Veröffentlichungen zum Thema Mikroplastik enorm zugenommen.

Eine Studie der Fraunhofer-Gesellschaft aus dem Jahr 2018 beziffert die jährliche Menge an Mikroplastikemissionen in der Umwelt hierzulande auf 330.000 t pro Jahr, also rund 4 kg pro Kopf. Damit ist Mikroplastik für rund drei Viertel aller Kunststoffemissionen verantwortlich und sogenanntes Makroplastik (Plastikflaschen etc.) für den Rest. „Dem, was für jeden offensichtlich ist, steht also eine etwa dreifach größere Menge gegenüber, die zum Teil nur unter dem Mikroskop sichtbar wird“, kommentiert das Fraunhofer-Institut seine Studie.

In unseren Ozeanen befinden sich bereits mehr als 140 Millionen Tonnen Plastikmüll. Jährlich gelangen etwa 8 Millionen Tonnen Müll hinzu, wovon etwa drei Viertel aus Plastikmüll bestehen. Auch in deutschen Binnengewässern ist bereits jeder fünfte darin schwimmende Partikel aus Kunststoff, wie eine gemeinsame Studie der Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz feststellte.

Das Plastik findet auf unterschiedliche Weise den Weg in die Meere, zum Beispiel über das Abwasser oder achtlos weggeworfene Plastiktüten und PET-Flaschen. Schließlich gelangt es in die Nahrungskette des Menschen, wenn er sich von Fisch und Meeresfrüchten, wie z. B. Muscheln und Krebsen, ernährt. Erst kürzlich haben österreichische Wissenschaftler erstmals Mikroplastik im Darm aller Studienteilnehmer, die aus verschiedenen Ländern stammten (Österreich, Japan, Finnland, Polen, Russland, Italien, Niederlanden, Großbritannien), nachgewiesen.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) beziffert in seinem Verbrauchermonitor 8/2018 (halbjährlich wiederkehrende, repräsentative Bevölkerungsumfrage zum gesundheitlichen Verbraucherschutz), die Beunruhigung der deutschen Bevölkerung im Bezug auf das Thema Mikroplastik. Während der Großteil der Verbraucher die Qualität der Lebensmittel als sicher einschätzt, finden knapp die Hälfte der Befragten, dass die Lebensmittelqualität abnehme. Vergleicht man die Ergebnisse mit denen der gleichen Befragung aus Februar 2018, so ist die Beunruhigung der Verbraucher in Bezug auf Mikroplastikartikel in Lebensmitteln am stärksten angestiegen. Für mehr als die Hälfte der Verbraucher ist Mikroplastik in Lebensmitteln aktuell das zweitalarmierendste Thema nach Antibiotikaresistenzen. BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel sagt: „Das BfR führt derzeit Studien zur Aufnahme von Mikroplastikpartikeln über den Darm und den möglichen gesundheitlichen Auswirkungen durch. Um das tatsächliche Risiko von Mikroplastik in der Nahrungskette zu bewerten, benötigen wir verlässlichere Daten.“

Aktuell ist das Überleben von 700 Arten von Meeresbewohnern durch Plastik bedroht. Wenn das Plastikproblem nicht angegangen wird, werden nach Schätzungen der Vereinten Nationen bis 2050 mehr Plastikmüllpartikel als Fische in den Weltmeeren schwimmen, gemessen am jeweiligen Gesamtgewicht.

Wir finden, dass es so nicht weitergehen kann, und gehen daher das Problem von Plastik in den Weltmeeren gemeinsam mit dem Verein One Earth – One Ocean bereits seit 2016 an. Mehr dazu erfahrt ihr auf www.cdhelden.de.




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