Mikroplastik – alles, was man dazu wissen muss

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Mikroplastik – alles, was man dazu wissen muss

1. Was versteht man unter Mikroplastik?

Für den Begriff Mikroplastik gibt es bisher keine allgemein anerkannte Definition. Überwiegend versteht man unter Mikroplastik kleine, feste Plastikteilchen, die maximal 5 mm groß und nicht wasserlöslich bzw. nicht biologisch abbaubar sind. Des Weiteren gibt es noch flüssiges Mikroplastik, sog. wasserlösliche, gel- und wachsartige, flüssige oder teilgelöste synthetische Polymere wie Acrylsäure-Copolymer, die aktuell ebenfalls diskutiert werden. Einige Umweltschutzorganisationen fassen den Begriff Mikroplastik zusammen und sprechen sich gegen den Einsatz aller synthetischen Polymere (feste und flüssige) aus.

Festes Mikroplastik kann man noch einmal in „primäres“ und „sekundäres“ Mikroplastik unterteilen:

Primäres Mikroplastik

Zu primärem Mikroplastik zählen industriell hergestellte, kleine Kunststoffteilchen unter 5 mm, die sowohl als Ausgangsstoff für die Plastikproduktion als auch als Inhaltsstoff von Kosmetik mit abrasiver Wirkung (z.B. Peelings) und Wasch- und Reinigungsmitteln dienen.

Sekundäres Mikroplastik

Das sekundäre Mikroplastik hingegen bezieht sich auf Kunststoffteilchen, die erst im Laufe der Zeit durch Verwitterung, Abrieb (z.B. von Schuhsohlen oder Autoreifen), Ablösen von Fasern beim Waschen synthetischer Textilien (z.B. Sportkleidung aus Polyester oder Acryl) oder durch den Zerfall von größeren Plastikteilen (dem sog. Makroplastik wie PET-Flaschen, Plastiktüten, Fischernetze etc.) in der Umwelt entstehen.

Woher kommt das Mikroplastik eigentlich?

Das sind die 10 häufigsten Quellen für festes Mikroplastik gemäß der Fraunhofer-Studie „Kunststoffe in der Umwelt: Mikro- und Makroplastik“*:

  1. Abrieb von Reifen
  2. Emissionen bei der Abfallentsorgung
  3. Abrieb von Polymeren und Bitumen in Asphalt
  4. Pelletverluste
  5. Verwehungen von Sport- und Spielplätzen
  6. Freisetzung auf Baustellen
  7. Abrieb von Schuhsohlen
  8. Abrieb von Kunststoffverpackungen
  9. Fahrbahnmarkierungen
  10. Faserabrieb bei der Textilwäsche

*Quelle: Fraunhofer Umsicht https://www.umsicht.fraunhofer.de/…

Festes primäres Mikroplastik aus der Kosmetik landet in dem Ranking auf Platz 17.

Laut einer im Frühjahr 2018 veröffentlichten Umfrage des Dachverbands Cosmetic Europe hat sich die Menge dieser festen Mikropartikel in Produkten zwischen 2012 und 2017 um 97 % reduziert. Dieser Rückgang beruht auf dem freiwilligen Verzicht der Kosmetikindustrie auf Plastikpartikel in Peeling-Produkten.

Bei CD kamen feste Mikroplastikteilchen noch nie zum Einsatz.

Ob und wie sich synthetische flüssige Polymere auf Umwelt und Mensch auswirken, ist noch unklar und wird derzeit weiter erforscht. Einige Umweltschutzorganisationen sprechen sich daher gegen den Einsatz aller synthetischen Polymere, also gegen festes und flüssiges Mikroplastik, aus. Die Umweltorganisation BUND schreibt:

„Die Kosmetikindustrie verwendet nicht nur partikuläres (festes) Mikroplastik, sondern auch andere synthetische Kunststoffe – diese können in Wasser quellbar und zum Teil auch löslich sein. Da Abbauwege und Umweltauswirkungen von flüssigen Kunststoffen ungeklärt sind und ein nachträgliches Entfernen aus der Umwelt nicht möglich ist, muss gemäß dem Vorsorgeprinzip der Eintrag verhindert werden.“

Wir verstehen unter Mikroplastik aktuell folgende Inhaltsstoffe, die auf Kosmetikprodukten in der Inhaltsstoffliste (INCI) angegeben werden:

  • mit dem Wort „Acryl“
  • mit dem Wortbestandteil „polymer“
  • mit dem Wortbestandteil „silan“
  • mit dem Wortbestandteil „styrol“ oder „styrene“
  • Polyethylene
  • Polypropylene
  • Polyethylene Terephthalate
  • Polyvinyl Chloride
  • Nylon
  • Polyester
  • Polyether
  • Polyamide
  • Polyimide
  • Polyurethan
  • Ethylen-Vinylacetat
  • Polyquaternium

Mehr Infos vom BUND finden sich hier.

Des Weiteren zählen wir wie Greenpeace auch Silikone zu flüssigem Mikroplastik, da es sich dabei ebenfalls um einen synthetischen Kunststoff handelt.

Wir von CD gehen sogar noch einen Schritt weiter und nehmen zusätzlich Carbomer, das u.a. als Verdickungsmittel in der Kosmetik dient, auf die Liste des flüssigen Mikroplastiks. Carbomer (Polyacrylsäure) wird bisher von den meisten Unternehmen und Organisationen wie dem BUND und verschiedener Drogeriemarktketten (noch) nicht als Mikroplastik angesehen und steht daher dort auch nicht auf der Ausschlussliste (Stand: Februar 2020).

Ökotest hingegen wertet Carbomer seit einigen Monaten ab, und daher haben wir uns auch bei CD dazu entschlossen, diesen Stoff mit auf die Ausschlussliste zu setzen. Somit ist unsere eigene (CD) Definition nochmal strenger ausgelegt als die meisten anderen aktuell veröffentlichen Listen von BUND oder verschiedenen Händlerketten.

2. Warum wird Mikroplastik überhaupt in Kosmetikprodukten eingesetzt?

In der Kosmetikbranche wird Mikroplastik aus verschiedenen Gründen eingesetzt. Feste Partikel wurden hauptsächlich wegen ihrer abreibenden, schleifenden Wirkung in Peeling-Produkten, Zahncremes oder Duschgels verwendet. Bei CD kamen, wie oben erwähnt, feste Mikroplastikteilchen noch nie zum Einsatz.

Das sogenannte flüssige Mikroplastik hat verschiedene Eigenschaften in unterschiedlichsten kosmetischen Rezepturen, hier einige konkrete Beispiele:

  • In dekorativer Kosmetik wie Make-up oder Foundations sorgen die feinen, festen Partikel für eine leichte und gleichmäßig verteilbare Textur.
  • Es trägt als Verdickungsmittel zur Viskosität von Texturen bei.
  • In Duschgels wird es als Filmbildner eingesetzt und verbessert die Verteilbarkeit.
  • Es hilft dabei, dass Cremes ein geschmeidiges Hautgefühl verleihen und sich besser verteilen lassen.
  • Die Wasserfestigkeit bei Sonnenschutzprodukten wird durch flüssiges Mikroplastik unterstützt

3. Wie erkennen Verbraucher, ob Mikroplastik in einem Körperpflegeprodukt enthalten ist?

Obwohl es bisher noch keine einheitlich rechtliche Definition für Mikroplastik gibt, lässt sich Mikroplastik dennoch anhand der Inhaltsstoffliste (INCI) auf dem Produkt erkennen. Verbraucher sollten hier besonders auf Stoffe achten, die das Wort „Polymer“ in der Bezeichnung tragen. Allerdings kann sich Mikroplastik auch hinter anderen Bezeichnungen, wie „Nylon“, verbergen. (Siehe Liste unter 1.) Trotzdem sind nicht alle Stoffe, in denen sich das Wort „Poly“ befindet, gleich Plastik. Der Begriff Polymer leitet sich von dem griechischen Wort „Poly“ = „viele“ ab. Streng genommen handelt es sich hierbei um eine Kette aus vielen miteinander verknüpften Grundbausteinen (Monomeren). Die Anzahl der Grundbausteine wird durch den Polymerisationsgrad „n“ angegeben. Polymere können nach unterschiedlicher Herkunft in synthetische Polymere und in Biopolymere eingeteilt werden. Der Begriff Plastik umfasst umgangssprachlich alle Kunststoffe. Bei diesen handelt es sich um einen synthetisch hergestellten Stoff. Zu den Biopolymeren hingegen gehören unter anderem die DNA und Proteine. Diese Polymere bilden die Grundlage aller lebenden Organismen. Das zeigt, dass nicht jedes Polymer gleich ein Kunststoff und damit schlecht für die Umwelt ist. 

4. Auswirkungen auf die Umwelt

Inzwischen weiß man, dass Mikroplastik überall vorkommt – in Gewässern, im Boden, in der Luft, in Kosmetik und selbst in Lebensmitteln finden sich die Plastikteilchen. Das Plastik findet auf unterschiedliche Weise den Weg in die Meere, zum Beispiel über das Abwasser oder achtlos weggeworfene Plastiktüten und PET, PE oder PP-Flaschen. In unseren Ozeanen schwimmen bereits mehr als 140 Millionen Tonnen Plastikmüll. Und wenn wir so weitermachen, kommen jedes Jahr ca. 10 Millionen Tonnen dazu. Leider verschwindet es ja nicht einfach wieder, sondern hat eine Lebensdauer von bis zu 500 Jahren. Je länger Plastik in den Ozeanen treibt, desto stärker fällt es durch Reibung, Salzwasser und UV-Strahlung in immer kleinere Fragmente, das (sekundäre) Mikroplastik. Das Plastik bedroht das Überleben von ca. 700 Arten von Meeresbewohnern, und wenn das Problem nicht schnell angegangen wird, werden nach Schätzungen der Vereinten Nationen bis 2050 mehr Plastikmüllpartikel als Fische in den Weltmeeren schwimmen, gemessen am jeweiligen Gesamtgewicht. Die Meerestiere verwechseln größere feste Plastikteile oft mit Nahrung und verenden nicht selten mit einem Magen voller Plastik. Aber auch kleinste Mikroplastikteile werden von den Tieren aufgenommen und können so zurück in unsere Nahrungskette gelangen, wenn wir Fische und Meeresfrüchten essen.

Unser Marken-Claim „An meine Haut lasse ich nur Wasser und CD“ beinhaltet neben unserem Markennamen „CD“ auch das Wort „Wasser“. Um die Vermüllung unserer Gewässer zu stoppen, unterstützen wir seit Jahren die Meeresschutzorganisation „One Earth – One Ocean e. V.“ (OEOO), welche dem Plastikmüll im Meer mithilfe einer mobilen und hochseetauglichen Müllabfuhr den Kampf ansagt. Mehr dazu erfahrt ihr hier.

5. Wir bei CD übernehmen Verantwortung für nachhaltiges Handeln

CD verzichtet als naturnahe und vegane Marke innerhalb vom CD Reinheitsgebot® bereits auf diverse Inhaltsstoffe, die auch bei zertifizierter Naturkosmetik nicht zum Einsatz kommen wie Silikone, Mineralöle, Farbstoffe, PEG/PEG-Derivate und Parabene. Es ist unser Ziel, dass die von uns entwickelten und hergestellten Produkte so verbraucher- und umweltfreundlich wie möglich sind. Darum arbeiten wir kontinuierlich an der Verbesserung unserer Produkte. Hierfür verfolgen wir fortlaufend die Fortschritte in der Wissenschaft, aber auch die in der Öffentlichkeit geführten Diskussionen.

CD hat noch nie festes Mikroplastik eingesetzt.
Gemäß der gängigen Definition sind heute bereits alle CD Produkte auch komplett frei von flüssigem Mikroplastik.

Da wir aber – wie oben beschrieben – unsere eigene Definition von flüssigem Mikroplastik noch strenger auslegen und zusätzlich den Stoff Carbomer auf die Abschussliste gesetzt haben, gibt es aktuell noch zwei CD Produkte, die Carbomer (Polyacrylsäure) enthalten und zukünftig überarbeitet werden: die Feuchtigkeitscreme Wasserlilie und die Feuchtigkeitslotion Wasserlilie.
Alle anderen Produkte wie z.B. alle CD Deos und Duschen sowie unsere festen Produkte sind komplett mikroplastikfrei, d.h. sie enthalten weder festes noch flüssiges Mikroplastik.

Nachdem Mikroplastik für Verbraucher/innen oft schwer zu identifizieren ist, werden wir zukünftig immer mehr unserer Produkte mit einem „Rezeptur ohne Mikroplastik“-Siegel kennzeichnen. Das ermöglicht eine schnellere und bessere Orientierung, dass weder feste noch wasserlösliche synthetische Polymere enthalten sind.
Zudem ist auch auf dem CD Reinheitsgebot® zu erkennen, dass Rezepturen mit diesem Siegel zu 100% mikroplastikfrei sind.

6. Welche Herausforderungen gibt es aus technischer Sicht bei einer Formel-Umstellung?

Wann immer eine Formulierung auf mikroplastikfrei umgestellt wird, muss darauf geachtet werden, dass die neue Formulierung stabil und vor allem sicher ist. Entsprechende Nachweise erfordern umfangreiche Tests, die sehr zeitaufwendig sein können.

Natürliche Alternativen zu Mikroplastik haben häufig andere Eigenschaften, durch die sich das Erscheinungsbild des Produkts ändern kann. Ein Duschgel ist dann möglicherweise nicht mehr weiß oder die Creme lässt sich nicht mehr so gut auf der Haut verteilen. Viskositätsregler wie Xanthan Gum oder Gellan Gum könnten als Alternative für Co- oder Crosspolymere eingesetzt werden, da sie vergleichbare physikalische Eigenschaften haben, bewirken aber oftmals ein anderes Hautgefühl. Wir von CD möchten keine Abstriche in der Produktqualität machen und nehmen deshalb für die Umstellung auf mikroplastikfreie Formulierungen viel Zeit und Aufwand in Kauf.